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Der Arbeitskreis Jugendarbeit ist ein Fachgremium der hauptamtlichen Personen in der kommunalen, offenen und verbandlichen Jugendarbeit im Hohenlohekreis. Hier treffen sich Fachpersonen vier mal im Jahr zum Gesprächsaustausch um die Jugendarbeit im Kreis weiter zu entwickeln. Dabei werden aktuelle Informationen der Fachliteratur, aus Expertendiskussionen und aus den Einrichtungen vor Ort ausgetauscht. Themenbeispiel: Jugend & Straße (Erarbeitet 2008): Jugend und Straße – Denkanstöße des Arbeitskreises Jugendarbeit im Hohenlohekreis
Indem ich rausgehe, sehe und erlebe ich mehr. Dies gilt nicht nur für die Jugendliche, sondern auch für Erwachsene.
Im öffentlichen Raum begegnen uns mehr Fremde als im privaten und im institutionellen Raum. Indem ich mich mit Fremdem (Alter, Geschlecht, Aussehen, Kultur, Religion) auseinandersetze, relativiert sich das Eigene. Ich werde mir des Eigenen bewusster.
Dieses Fremde ist Kontrast zum Eigenen und bietet mir Vergleichsmöglichkeit zur eigenen Identität und Lebensstil. Dadurch erhalte ich Entwicklungsmöglichkeiten in alle Richtungen. Die Konfrontation mit allem, was uns auf der Strasse begegnet, hält uns und unser Leben offen. Diese Offenheit erlebt aber Begrenzungen.
Der öffentliche Raum gehört allen. Jeder kann und darf ihn so nutzen, dass ihn auch andere nutzen können. Hier kann man lernen, die eigenen Interessen zu vertreten und sich selbst zu behaupten. Jeder kann seine Freiheiten ausleben, so lange er die Persönlichkeitsrechte anderer nicht beeinträchtigt. Strasse/ Öffentlichkeit ist der Raum, an dem Interessen aufeinander stoßen und wo die Durchsetzung dieser ausgehandelt werden muss. Sie bietet somit auch ein Lernfeld für Interessenvertretung. Gleichzeitig bietet das Zusammensein in der Gruppe, aber auch die vorhandene verlässliche Infrastruktur (Ladengeschäfte, Behörden, Banken und andere Institutionen) einen Garant für Verbindlichkeit und Beständigkeit. Hier können Sie sich in ihrer Ursprünglichkeit unter Gleichgesinnten angstfrei bewegen!
Strasse ist ein Raum, der allen zugänglich ist. Dieser wird von Öffentlichkeit genutzt. Zur Öffentlichkeit zählen Jugendliche genauso wie Erwachsene, Kinder und Alte. In einer Gemeinschaft, eingebunden in Strukturen, fühlt sich der Jugendliche gleichermaßen wichtig: wichtig als „Individium“ und wichtig als „Gemeinschaftssubjekt“.
Jugendliche treffen sich nicht ausschließlich auf der Strasse. Indem sie aber den öffentlichen Raum nutzen, behaupten sie ihr Recht an diesem Raum und möchten, dass andere sie bei der Ausübung ihrer Rechte wahrnehmen und dies akzeptieren. Konflikte gehören dazu und sind teilweise auch ausdrücklich von den Jugendlichen initiiert.
Selbstbehaupten heißt auch den öffentlichen Raum mitgestalten zu wollen.
Laut einer Umfrage der Shell-Studie, beispielhaft von 2002 und 2006, ist eine der drei häufigsten „Freizeitbeschäftigungen“ von Jugendlichen „sich mit Leuten treffen“.
Jugendliche genießen, wie alle anderen Menschen, selbstverständlich das Recht, sich im öffentlichen Raum zu bewegen.
Die rechtsstaatliche und demokratische Grundordnung beschreibt für alle verbindlich die geltenden Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich Menschen im öffentlichen Raum bewegen dürfen. Hieraus leiten sich die jeweils gültigen Rechte und Pflichten ab. Auch Traditionen, Vorschriften oder Gesetze können für Jugendliche den geschützten öffentlichen Raum ausmachen, da sie eine gewisse Regelmäßigkeit und Sicherheit gewährleisten.
Jugendliche und junge Erwachsene haben das Bedürfnis sich mit gleichaltrigen und gleich gesinnten Menschen zu treffen. Dies ist auch innerhalb der Erwachsenenwelt zu beobachten z.B. gesellige Runde in einer Gasstätte. Jugendlichen ist aufgrund der finanziellen Möglichkeiten dies oftmals versagt.
Hier wird der öffentliche Raum attraktiv. Neben den finanziellen engen Grenzen spielt der öffentliche Raum jedoch auch eine zentrale Rolle bei der Selbstfindung, die nicht vom Rollenverständnis des Kunden oder Konsumenten geprägt ist. Der öffentliche Raum bietet Jugendlichen ein weites und wichtiges Feld sich selbst und andere zu erleben. Dabei ist der Treffpunkt „Straße“ im Gegensatz zu vielen anderen Treffpunkten (Kneipen ...) eine der letzten „kommerzfreien“ Begegnungsmöglichkeiten.
Strukturierte und normierte Räume nehmen einen zunehmend hohen Anteil in unserer Lebenswelt ein. Die Qualität des gering normierten öffentlichen Raums ist es, dass Normen und Werte selbst erlebbar und erfahrbar werden und nicht von Erwachsenen vorgegeben werden.
Für uns Erwachsene ist es stets wichtig, diesen Raum für Jugendliche offen zu halten. Zum Erwachsenwerden gehört das Suchen nach Grenzen. Jugendliche wollen die Erwachsenenwelt herausfordern und provozieren. Dies gehörte und wird immer zum Erwachsenwerden dazugehören. Für die bürgerliche Erwachsenenwelt ist es deshalb eine stete Herausforderung, die eine klare Haltung erfordert.
Nicht das generelle Ausgrenzen und Wegschicken Jugendlicher ist die Devise, sondern das genaue hinschauen, was die Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen sind. Eine klare Haltung und soziale Kontrolle sind wichtige Garanten, die Auswüchse vermeiden helfen. Nur, und ausschließlich nur bei gravierenden Grenzverletzungen (z.B. bei Straftaten) ist an eine, allerdings nur zeitlich befristete, Begrenzung des öffentlichen Raums zu denken.
Für ein konstruktives Miteinander ist der Dialog zwischen den Generationen immens wichtig und nicht die Begegnung, geprägt durch Vorurteile und Klischees. Ein Dialog setzt jedoch auch klare Positionen, gerade auch bei den Erwachsenen voraus.
Zu einer klaren Position finden Erwachsenen am ehesten, wenn sie sich mit ihrer eigenen Pubertät kritisch auseinandersetzen. Fragen wir Erwachsenen uns doch einmal, ob das Verhalten der heutigen jungen Menschen sich so sehr unterscheidet vom eigenen Verhalten in der Pubertät. Auch wir Erwachsenen mussten unseren Platz in der Gesellschaft erst erkämpfen und finden. Fragen wir uns doch einmal wie wir mit den Themen „Treffpunkt“, „Clique“, „Freundschaften und Beziehungen“, „Spaß haben“; „Sehen und gesehen werden“, „Abhängen“, „Draußen für sich sein“, „Straße bedeutet Leben“, „Freiheit“, „Selbstbestimmung“, „Unorganisiert“, „Angstfrei“, „Abenteuer“ und „Grenzen testen, Grenzen spüren“ umgegangen sind. Ergibt sich hieraus nicht eine Verpflichtung zu Toleranz, aber auch Erziehung? Daraus sollte sich eine Haltung entwickeln in der es selbstverständlich ist, Grenzen zu setzen, aber auch einmal zurückstecken zu können, Konfliktsituationen, Unangenehmes auszuhalten und zu versuchen sich in das jugendliche Gegenüber hineinzuversetzen.
Jugendliche auf der Straße suchen den Kontakt nicht nur untereinander, sondern ganz bewusst auch zur Gesellschaft.
Somit ist die Straße als „geschützter Raum“ aufrecht zu erhalten und zu fördern.
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